Lake Tahoe

Auf den Spuren eines weiteren Seeungeheuers

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Bilder: Anke Höhne

Ein Artikel von Anke Höhne

Am 17.8. bin ich erfolgreich durch den amerikanischen Lake Tahoe (Kalifornien/Nevada) geschwommen. Der alpine, glasklare See liegt auf 1900 m Höhe, ist von einer beeindruckenden Bergwelt umgeben und bis zu 500 m tief. Die 34 km lange Strecke führte einmal längs durch den See mit Start auf kalifornischer Seite und Ziel in Nevada.

Start war um 21 Uhr um die Windstille nachts zu nutzen. Somit ging es erst mal 9 h durch die Nacht, was v.a. eine mentale Herausforderung für mich darstellte in kompletter Dunkelheit über eine so lange Zeit zu schwimmen. Dafür entschädigte mich der Sternenhimmel über mir und die Klarheit des Sees, in der ich sogar nachts immer noch meine Arme unter Wasser sehen konnte. Ein Kajakfahrer wich mir die ganze Zeit über nicht von der Seite. Ein Begleitboot fuhr (zumeist) voran, auf dem neben Pilot und Co-Pilot sowie meinem Mann Karl auch noch ein Observer war, der über die Regeln des Marathonschwimmens wachte (einfache Badebekleidung, keine Auftriebshilfen, kein Bootskontakt). 
Der Pilot Tom liebt den See sehr und hat ihn bereits selbst 3x durchschwommen. Sein Enkel Rhys, der kurzfristig als Kajakfahrer einsprang, versicherte mir „He's more a fish than a man".

Die ersten Stunden bremste mich eine Gegenströmung etwas aus, wie mir mein Pilot Tom nachher erzählte. Die Wassertemperatur war mit 21 Grad sehr angenehm. Die Luft kühlte bis 12-13 Grad nachts ab, was mich aber aufgrund des warmen Wassers nicht weiter störte. 
Nach einem relativ langsamen Beginn konnte ich meine Schwimmgeschwindigkeit kontinuierlich steigern und erreichte nach 18:07 h das Ziel. 

Ich bin total happy, dass ich dieses Schwimmen geschafft habe. Zum einen war es mein längstes Schwimmen nach einer Schulterverletzung letztes Jahr (und entsprechend fehlenden Trainingskilometern sowie einem immer noch geringeren Schwimmtempo als vor der Schulterverletzung). Zum anderen war die Frage, wie ich mit der Höhe klar komme beim schwimmen. Offensichtlich war unsere Strategie erfolgreich, eine Woche uns vor Ort an die Höhe zu akklimatisieren. 

Mit dem Schwimmen habe ich die imaginäre Triple Crown of Lake Monster Swims als erste deutsche Schwimmerin und laut der Datenbank http://www.ultraswimming.org als 7.Mensch überhaupt weltweit vollendet. Diese Triple Crown umfasst drei Langstreckenschwimmen in Seen, denen nachgesagt wird, es lebe ein Monster in ihnen:

  • Loch Ness (36 km) mit Nessie - Schottland
  • Lake Memphremagog (40 km) mit Memphre - von Vermont USA nach Magog/Kanada
  • Lake Tahoe (34 km) mit Tessie - USA (Kalifornien/Nevada)

Alle drei Seen haben ihre jeweils besonderen Herausforderungen. War es im Loch Ness die Kälte des Sees (13-10 Grad), im Lake Memphremagog ebenfalls der Start in der Nacht und die Länge (40 km), stellten im Lake Tahoe v.a. die Höhe (1900 m) und das lange Nachtschwimmen eine Challenge dar. Manche Schwimmer reagieren auf das Schwimmen in dieser Höhe mit den Symptomen von Höhenkrankheit, die durch einen geringeren Sauerstoffgehalt im Körper hervorgerufen werden, was zu einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit führt. 

Wie immer an meiner Seite unterstützte mich Karl, der für das bewährte Feeding sorgte. 

By the way: das Seemonster Tessie ließ sich zum Glück nicht blicken.