Fair geht vor beim Bruderduell

In der zweiten Wasserball-Bundesliga spielt Torben gegen Florian Weiterer 

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Treten in Hamburg heute gegeneinander an: Die Wasserballer Torben und Florian Weiterer im Kraftraum des Wasserparadieses. Mama Regina wünscht sich von beiden vor allem ein faires Spiel. Foto: (Roland Weiterer)
Dieser Termin ist eigentlich Pflicht. Wenn Braunkohl mit Brägenwurst bei Oma Ida auf den Tisch kommt, dann lassen sich die Hildesheimer Wasserballer Torben und Florian Weiterer diesen Schmaus nicht entgehen. Es sei denn, der Sport kommt dazwischen. So wie am letzten Samstag, als sich nur Torben das Essen bei der Großmutter schmecken ließ und sein Bruder Florian die Fußballer von Eintracht Braunschweig in Würzburg anfeuerte. Heute kann der Hellas-99-Spieler selber wieder in der zweiten Bundesliga beim Wasserball aktiv werden. In Hamburg in der Schwimmhalle Inselpark wartet um 20.30 Uhr die Reserve des Gastgebers Poseidon  -  und mit ihr sein Bruder Torben, der im Sommer an die Elbe wechselte. Zum ersten Mal treffen die 18 und 21 Jahre alten Brüder in einem ernsten Duell aufeinander. Dabei tragen sie beide eine rot-gelbe Leidenschaft im Herzen und einen in der Wasserball-Szene bekannten Namen. Ihr Opa Kurt Weiterer legte vor 40 Jahren den Grundstein dafür, dass Hildesheim in ihrem Sport bundesweit mitmischt und der HSC unter anderem fünf deutsche Jugendmeisterschaften an die Innerste holte. Auch wenn es für Florian und Torben Weiterer  in ihren Jahrgängen nicht für den ganz großen Titel reichte, gehören beide schon lange zu den Hoffnungsträgern des Klubs. Allerdings wechselte Torben vor der Saison zu Bundesliga-Aufsteiger Poseidon. Und die Stimmung ist gut bei den Hanseaten nach den letzten beiden Siegen in der B-Gruppe. Die Chance ist da, die Klasse zu halten. Für eine Fahrstuhlmannshaft wie Poseidon wäre das ein großer Erfolg. Über den würde sich auch Torben Weiterer freuen, der derzeit achter oder neunter Mann im Kader ist. Der Hauptgefreite verlängerte bei der Bundeswehr in Hamburg seinen Wehrdienst extra auf zwei Jahre, um sich auf den Wasserball konzentrieren zu können. Jeden Abend steigt er zum Training ins Wasser, dazu kommen zwei bis drei Kraft- und Gymnastikeinheiten an Land. „Ich wollte es noch einmal wissen“, sagt Torben. Sein Bundesliga-Einstieg verzögerte sich allerdings durch einen gebrochenen Finger an der Wurfhand, deshalb war er auch im November im Hinspiel der Reserve gegen Hellas-99 nicht dabei. Umso gespannter ist er auf das Duell am heutigen Mittwoch gegen seinen Heimatverein. Für ihn wäre es „Quatsch“, aus Verbundenheit auf ein Match gegen seinen alten Klub oder seinen Bruder zu verzichten. Er hätte zwar noch lieber mit Hildesheim in der Bundesliga gespielt, doch den meisten Aktiven fehlt es an der Bereitschaft oder der Zeit, neben Studium oder Job noch mindestens vier- bis fünfmal pro Woche zu trainieren. Und darunter geht es nicht, will man in einer Sportart wie Wasserball ganz oben mithalten. Auch sein Bruder Florian, der viel Talent mitbringt, weiß um den immensen Aufwand. Er müsste die fehlenden zehn Zentimeter Körpergröße mit anderen Qualitäten wettmachen, will er sich einmal mit den besten Leuten in Deutschland messen. Denn die B-Gruppe wäre ihm zu wenig und würde ihm auf Dauer nicht reichen. „Da spielt man nicht gegen die ganz großen Vereine“, sagt Florian. Weil ihm diese Perspektive fehlt, hat er seinen Trainingseinsatz derzeit reduziert. Dennoch gehört der 18-jährige Linksaußen zu den Stammkräften bei Hellas-99-Coach Dragan Dobric. „Auf Florian ist Verlass.“ Das beweist der RBG-Schüler erst heute wieder. Eigentlich wäre er gerne daheim geblieben, da er morgen Früh sein Vorabitur in Deutsch schreibt. Doch der Coach  bat ihn mitzukommen, um mit voller Truppe in Hamburg anzutreten. „Wir brauchen Florians Schwimmstärke, gerade auf dem großen Feld.“ Also sind beide Jungs dabei, was deren Mama Regina ein wenig in die Zwickmühle bringt. Sie ist selber aktive Wasserballerin und noch dazu Schwimmwartin im HSC Hellas-99. „Ich halte schon die Daumen für unseren Verein, zumal es nur Poseidons Zweite und das Spiel nicht so wichtig ist für Torben.“ Ihr ist vor allem wichtig, dass ihre Söhne und die Teams den Ehrgeiz im Zaum halten. Regina Weiterers Wunsch für morgen Abend:  „Alles soll fair bleiben.“ Knifflige Aufgabe
in Hamburg Für die Hildesheimer wird es morgen bei Poseidon Hamburg II knifflig, denn mit dem 9:6-Sieg im Hinspiel hat diese Partie nicht viel zu tun. Im Inselpark wartet ein anderer Gegner auf die Hellenen. „Wenn wir voll sind, habe wir eine richtig gute Truppe“, sag der frühere Hellene Torben Weiterer, der in Hildesheim wegen eines gebrochenen Fingers fehlte. Hellas-99-Coach Dragan Dobric weiß um die Qualitäten der Poseidon-Bundesligareserve, die vor gut einer Woche der SpVg Laatzen beim 11:11 einen Punkt abtrotzte. Deshalb will der Coach mit weitgehend voller Truppe in den Norden reisen. „Wir dürfen nicht hektisch spielen und müssen auf dem großen Feld mit unseren Kräften haushalten.“ Auch  Julius Witte dürfte wieder fit sein. Der leicht verletzte Konterspieler konnte sich beim 19:5 gegen Schlusslicht HSG Warnemünde schonen, wird gegen die gut trainierten Hamburger aber dringend gebraucht.